The Jim Johnson murder und was die Öffentlichkeit nie darüber erfahren sollte

Eine beliebige Produktionsfirma für Filme. Der Produzent, nennen wir ihn Bill, zum Ko-Produzenten, nennen wir ihn Tom: „Hey, die Story ist wunderbar, aber sehe ich das richtig, dass kein Schwarzer eine tragende Rolle spielt? Tom*gulp*. Schweißtropfen bilden sich auf seiner Stirn, man könnte sie für Blutstropfen halten. „Kein Schwarzer in tragender Rolle? Ernsthaft?“ Er wirft sich in einem Anfall von Verzweiflung zu Boden, rauft sich die Haare, schüttet sich den Inhalt des Aschenbechers über den Kopf: „Kein Schwarzer! Kein Schwarzer! Wie sollen wir diesen Film rausbringen ohne einen Schwarzen?! Vae, vae! Wir werden geächtet, wir werden pleite gehen, wir haben keinen Schwarzen!“ Bill, dessen Verzweiflung sich in apathischer Resignation äußert, ist in seinem Sessel zusammengesunken. Er kaut an den Fingernägeln. „Kein Schwarzer in tragender Rolle. Kein Schwarzer. Was sollen wir tun? Wir sind verloren. Und es ist noch viel schlimmer!“ Er springt auf: „Keinen Juden! Wir haben keinen Juden!“ Plötzlich entsteht ein tausendfaches Echo. Immer lauter tönt es durch den Raum: Wir haben keinen Juden! Da öffnet sich die Tür. Der Storyboard-Schreiber, nennen wir ihn Jim, tritt gut gelaunt ein, seinen Flat white Mocha im Pappbecher. Tom ringt die Hände und schaut ihn aus wild rollenden Augen an: „Jim! Du bist unser Verhängnis! Unser Unglück! Kein Schwarzer! Kein Jude! Was hast du dir dabei gedacht?“ Er wirft sich auf Jim, der Flat white Mocha ergießt sich über Jims Hemd. Mühsam kann er sich losmachen. „Alter, beruhig dich. Die Serie spielt unter Adligen Anfang des 20. Jahrhunderts in England. Da lässt sich ein Schwarzer schlecht einbauen. Und es ist jetzt auch nicht der traditionelle Ort für Juden. Ich hab doch schon einen Homosexuellen eingebunden, und emanzipierte Frauen! So ziemlich jeden sozialen und gesellschaftlichen Konflikt, den man sich ausdenken kann! Jetzt auch noch einen Schwarzen? Das ist doch nicht glaubwürdig, alle Minderheiten einzubauen, die man sich nur denken kann, bloß damit sich niemand ausgeschlossen fühlt!“ Tom und Bill schauen ihn entsetzt an. Bill blickt suchend um sich, ob ihn auch keiner gehört hat und sucht die Wände unbewusst nach Wanzen ab. Tom keucht. „Bloß, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt?“, fragt er tonlos. „Bloß?“ Langsam weicht er zurück. Unversehens tasten seine Finger nach dem geheimen Schalter an seinem Schreibtisch. Man hört einen dumpfen, überraschten Schrei, als Jim durch die Falltür ins Alligatorenbecken unter dem Büro fällt. Dann hört man kurz, wie sich im Wasser etwas bewegt. Ein kurzers Aufwühlen. Dann nichts mehr. Ein leerer Pappbecher rollt durch den Raum. Erleichtert lässt sich Bill in den Sessel fallen. „So“, sagt er, gießt aus seinem Flachmann alkoholfreien Gin in ein Glas und reicht Tom ein veganes Avocado-Tofu-Sandwich. „An die Arbeit. Wir müssen eine Serie retten.“

***

DISCLAIMER (bevor ich zum Ziel von Hatespeech werde)

Ich liebe Downton Abbey. Vor allem die letzten zwei Staffeln. Gegenüber den Staffeln bis zu Matthews Tod haben die Geschichten an Edel-GZSZ-Manier (ich sag nur: Tochter des Hauses schläft mit Türken, und der stirbt in ihrem Bett??? Halloho? Das rechtfertigen nicht die kunstvollsten Kostüme!) eingebüßt und an Spannung gewonnen, vor allem dadurch, dass man Edith liebgewinnt und einfach nur will, dass sie über ihre miese Schwester triumphiert. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein und habe mich lediglich an die Struktur der Filme gewöhnt. Von dem nervigen „Wie bürden wir Anna und Bates noch mehr Leid auf, weil sie so unerträglich gut sind, dass wir es ihnen einfach nicht gönnen“-Tick einmal abgesehen. Es soll also wirklich nicht zu einem Downton Abbey-Bashing kommen, man kann das wirklich genießen. Dennoch fällt hier etwas auf, das sich durch eigentlich praktisch alle historisch angehauchten Filme zieht, und zwar die political inclusiveness. Wegen der ansonsten opulenten Ausstattung mit genialen Schauspielern und tollem Interieur fällt es hier auch weniger ungnädig auf, denn es gibt genügend andere Dinge, auf die man sich konzentrieren kann. Dennoch: Das tragische Schicksal des jungen cis-Gender-Mannes, der mit seinem Flat white Mocha eines Tages einfach zu naiv für diese Welt war, geht eben einfach zu Herzen. Ihm muss Gerechtigkeit widerfahren. Ruhe in Frieden, Jim.